Todesboten

Todeswesen aller Arten

Todesboten

Beitragvon Zarasis » Do Jul 16, 2009 10:16 am

Hinweis: Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, wird aber nach Möglichkeit laufend erweitert.


Allgemeines
Ankou
Banshee / Bean Sidhe / Bean Nighe / Todesfee
Habergeiss
Hexe von Endor
Höllenhunde
Klagemutter
Tiere
Totenvogel / Leichenvogel
Weisse Dame
Vanth
Wraith


Allgemeines
Zahlreiche Legenden über Todesboten sind im europäischen Kulturkreis überliefert. Bei Todesboten handelt es sich vor allem um Wesen wie z.B. Geister, Feen, Dämonen oder auch um Tiere, die durch ihr Erscheinen oder ihr Wehklagen einen baldigen Todesfall ankündigen. Einige Todesboten begleiten die Seelen der Verstorbenen auch ins Totenreich.


Ankou
Ankou gilt als Personifizierung des Todes. Er ist ein Todesbote und sucht die Nähe der Menschen. Weitere Namen sind "König der Toten" oder "Père Ankou", letzteres setzte sich später als "Gevatter Tod" durch. Nach einigen Überlieferungen wird entweder der erste Tote zum Ankou, den man zu Beginn eines Jahres beerdigt, oder wer lebendig als erster auf einem neuen Friedhof begraben wird. Der Ankou zeigt sich denen, die dem Tod geweiht sind, also alten und kranken Menschen. Er tritt in verschiedenen Gestalten und Formen in Träumen, Visionen, oder auf materieller Ebene auf. Häufig als Skelett mit Sense, das nachts auf einem quietschenden Wagen fährt, oder als Tier, häufig auch als riesiger, schattenartiger Mann in dunklem Mantel, der die Toten auf seinen Wagen lädt. Wenn man den Ankou erblickt, soll der bevorstehende Tod unausweichlich sein. Er empfängt die Toten im Augenblick ihres Sterbens und begleitet sie in die Unterwelt. Im englischen Volksglauben heisst es auch, dass der Ankou jeden abschreckt, der die Totenruhe auf Friedhöfen stört – egal, ob tot oder lebendig.
Den Beschreibungen zufolge erfüllt der Ankou somit mehrere Funktionen – die des Todesboten, des Seelenbegleiters und die eines Wächters.

Banshee / Bean Sidhe / Bean Nighe / Todesfee
Der Name Banshee stammt vom irisch-gälischen „bean sí“, ältere Schreibung „bean sidhe“ oder „bean-nighe“ ab und bedeutet „Frau von den Feen“, „Frau aus dem Feenreich“ oder auch „Geistfrau“. Im irischen Volksglauben ist sie ein weiblicher Geist, dessen Erscheinung einen bevorstehenden Tod in einer Familie ankündigt. Die Banshee wird in den meisten Fällen als totenbleiche, weissgekleidete Frau mit langem, weissem Haar dargestellt, die Augen sind oft glutrot vom ständigen Weinen. In den meisten Beschreibungen erscheint sie als alte Frau, seltener auch jung und schön. Sie wird häufiger gehört als gesehen, Beschreibungen zufolge sitzt sie einige Tage vor einem Todesfall in der Familie weinend vor dem Fenster. Sie erscheint in erster Linie vor dem Hauptwohnsitz der alten irischen Familie, der sie sich angeschlossen hat. Die Person, der ihr Wehklagen gilt, sieht/hört die Banshee angeblich nicht.
Ihre Stimme ist ein lautes Klagen oder Kreischen und kann angeblich jeden, der sie hört, augenblicklich töten. Anderen Berichten zufolge wird sie auch als sanft und tröstend beschrieben. Sie heisst die Seelen am Übergang ins Totenreich willkommen.
Die Todesfee aus dem schottischen Volksglauben ist die bean-nighe, der Name bedeutet „Waschfrau an der Furt“. Diese klagt nicht an einem Fenster, sondern wird in freier Natur beim Waschen von Totenhemden gesichtet. Die bean-nighe wird mit Hängebrüsten, einem einzigen Nasenloch und hervorstehenden Zähnen beschrieben.

Habergeiss
Der Name stammt vom Begriff "Haber" und bedeutet "Bock“. Die Habergeiss ist also ein Zwitterwesen aus Bock und Geiss (Ziege). In der volkstümlichen Überlieferung (vor allem in Österreich) wird die Habergeiss meist als dreibeiniger Geissbock mit glühenden Augen und langem Bart beschrieben, in seltenen Fällen auch als hässlicher, dämonischer Vogel mit drei Beinen. Das Fell (oder Gefieder) ist blutrot oder gelb. Das Meckern wird als erschreckend und furchteinflössend beschrieben. Es wird ihr auch nachgesagt, dass sie Bauern und Vieh das Blut aus den Adern saugt.
Die Habergeiss zu sehen, gilt als böses Omen, sie gilt als Todesbote oder kündigt ein Unheil an.
Vermutungen zufolge war die Habergeiss ursprünglich ein Fruchtbarkeitswesen, dessen Bedeutung sich im Laufe der Zeit geändert hat.

Hexe von Endor
Über die Hexe von Endor wird bereits im Alten Testament berichtet (1. Samuel 28) wo sie als Todesbotin angesehen wird. Im Alten Testament wird beschrieben, dass König Saul die Hexe vor der Schlacht der Israeliten gegen die Philister aufsucht, um sich von ihr über den Ausgang dieser Schlacht weissagen zu lassen. Die Hexe macht ihm eine unheilvolle Prophezeiung, indem sie König Sauls Vorgänger Samuel aus dem Reich der Toten erscheinen lässt. Dieser verkündet, dass König Saul am nächsten Tag mit seinen Söhnen bei ihm im Totenreich sein werde. Die Prophezeiung erfüllt sich, König Saul und seine Söhne finden am Tag darauf in der Schlacht auf dem Gebirge Gilbra den Tod.

Höllenhunde
Vor allem in europäischen Gespenstermythen sind Erzählungen über Höllenhunde überliefert. Sie gelten als die unheimliche Jagdmeute des Teufels, ihr furchterregendes Geheul gilt als Todesomen. Die meisten Überlieferungen über Höllenhunde stammen aus England. In Robert Hunts Werk „Popular Romances of the West of England“ aus dem Jahr 1865 werden beispielsweise die berühmteren „Kopflosen Hunde von Dartmoor“ und die „Devil´s Dandy Dogs“ beschrieben, die in Cornwall als Todesboten ihr Unwesen treiben sollen.
In Ostengland ist der „Galleytrot“ bekannt, ein Gespensterhund, der dort auf Landstrassen anzutreffen ist und sich in der Nähe von Friedhöfen und verborgenen Schätzen aufhalten soll.

Klagemutter
Sie wird auch als „Klageweib“ oder „Frau Klage“ bezeichnet. Berichten zufolge sieht man sie als geisterhafte Frau, die in der Ferne ihr Klagelied anstimmt. Wenn man dieses Wehklagen hört, gilt das als ein schlechtes Zeichen oder als Hinweis für einen bevorstehenden Todesfall.
Sie gilt weiters als die Personifikation der Phantasie des Menschen, wenn diese den unheimlichen Schrei eines Nachtvogels oder das Heulen des Windes hören.

Tiere
Im Volksglauben kündigen häufig Tiere einen baldigen Tod an. Abgesehen von den Toten- oder Leichenvögeln zählt vor allem die Fledermaus zu den bekanntesten tierischen Todesboten. Häufig wird auch der Holzwurm oder der Schmetterling als Todesbote angesehen, die Begegnung mit einem schwarzen Kater gilt ebenfalls als Todesomen.

Totenvogel / Leichenvogel
Diese sollen durch ihr Erscheinen und / oder durch ihren Ruf den baldigen Tod eines Menschen ankündigen. Sie setzen sich nachts auf das Fensterbrett eines Sterbenden und klopfen so lange gegen das Fenster, bis derjenige gestorben ist.
In erster Linie zählen dazu nachtaktive Raubvögel wie der Kauz, die Eule oder der Uhu, des Weiteren auch andere Vögel wie der Kuckuck, die Taube, und der Sperling.
Schwarze Raben und Krähenvögel gelten ebenfalls als Unglücks- und Todesboten. Sie sind häufig auf Friedhöfen anzutreffen und sitzen auf den Gräbern von kürzlich Verstorbenen. Während eines Begräbnisses gilt ihr Ruf in einigen Regionen nach wie vor als Zeichen für einen weiteren Todesfall in einer Familie.

Weisse Dame
Die Weisse Dame oder Weisse Frau ist im deutsch-französischen Raum als Todesbotin überliefert. Sie entspricht in etwa der Banshee aus den britischen Überlieferungen, ihr Erscheinen kündigt einen Todesfall oder ein Unglück innerhalb einer Familie an, in der sie einst selbst Familienmitglied gewesen und eines unnatürlichen Todes gestorben sein soll. Des Weiteren soll eine Weisse Dame ihre Familie zusätzlich vor Verrat und Unglück schützen, sie wird häufig als beschützender und hilfreicher Hausgeist angesehen.
Sie trägt ein langes, weisses Gewand (weiss galt früher als Trauerfarbe). In einigen Fällen wird auch beschrieben, dass die Farbe ihrer Kleidung dann schwarz war, wenn sie einen Todesfall ankündigte.
Genau wie ihr britisches Pendant erscheint die Weisse Dame vorzugsweise den Mitgliedern von alteingesessenen Adelsfamilien in deren Stammhäusern. Die bekanntesten Berichte über ihr Erscheinen kennt man vor allem von der Familie Hohenzollern. Auf Schloss Neuhaus in Berlin sowie auf Schloss Plassenburg (Chronik aus dem 16. Jhd.) sind die bekanntesten Erscheinungen dokumentiert.

Vanth
Vanth ist eine etruskische Unterweltsdämonin, die als sehr mildtätig und gütig angesehen wird, oft gilt sie als Begleiterin des bedrohlichen Charun. In älteren Überlieferungen wurde sie noch mit den griechischen Rachegöttinen, den Erynnien, verglichen.
Sie wird häufig geflügelt und mit einer Fackel dargestellt, mit der sie den Toten den Weg ins Jenseits weist. Als ihre Attribute gelten weiters Schlangen, eine Schriftrolle oder ein Schlüssel. Die Fackel dient den in die Unterwelt Reisenden als Licht, der Schlüssel schliesst das Tor zur Unterwelt auf, in der Schriftrolle ist vermutlich das Schicksal der Verstorbenen festgehalten.
Weitere Darstellungen zeigen sie mit nackter Brust mit kreuzförmig angeordneten Trägern über der Brust, mit Fellstiefeln und einem kurzen, gerollten, Wickelkleid sowie mit einem Umhang.
Ihre Flügel werden manchmal mit Augen dargestellt (Alabasterurnen aus Volterra), die Augen gelten als Hinweis, dass sie jeden beobachtet und überall ist.
Vanth wird als Todesbotin und als Helferin im Sterben bzw. als Begleiterin der toten Seelen in die Unterwelt angesehen.

Wraith
Der Name Wraith stammt aus dem schottischen Dialekt und bedeutet „Geist“, „Gespenst“ oder „Erscheinung“.
Seine Erscheinung wird immer als böses Omen aufgefasst. Laut schottischem Volksglauben gilt der Wraith als metaphysischer Doppelgänger eines Sterbenden, der seinen Verwandten oder Freunden als Todesbote erscheint. Jeder, der einem Wraith begegnet kann davon ausgehen, dass seine Tage gezählt sind.


Wird gegebenenfalls fortgesetzt...
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Re: Todesboten

Beitragvon Zarasis » Do Okt 29, 2009 6:30 pm

Božalość

Die Božalość, auch geschrieben als Božaloshtsh oder Bozaloshtsh, ist eine Todesbotin aus der Wendischen Mythologie (Wenden = Westslawen, bewohnten ab dem 7. Jhd Nord- und Ostdeutschland, heute bezeichnet als Elbslawen; ihre Kultur gilt als Verbindung zwischen den slawischen und nordischen Völkern).

Der Name bedeutet wahrscheinlich so viel wie "Gottesklage" (engl. "God's Lament"). Anderen Meinungen zufolge wurde der Name von "Boža žaloć" abgeleitet, was soviel wie "Gottes Erbarmen" heisst.

Dieses Wesen gilt als das slawische Äquivalent zur irischen Banshee und wird als kleinere, weissgekleidete Frau mit langem, geflochtenem Haar und roten Augen beschrieben. Sie sitzt weinend unter dem Fenster eines Hauses, in dem jemand im Sterben liegt.

Eine andere "Version" der Božalość wird als "Bože sedleško" bezeichnet und als weinendes Kind in weisser Kleidung beschrieben.
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